Sunrise flight

Sonnenaufgangsflug

Über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein …

Haben wir nicht alle den Traum Frei zu sein, unsere Arme auszubreiten und wie ein Vogel durch die Luft zu schweben?
Herby hat diesen Traum für mich wahr gemacht!
Ich erzählte Ihm dass ich einmal den wunderschönen Lungau von oben sehen wollte. In seiner charmanten Lungauer Art meinte er dazu nur: „Morgen, 5.30 Uhr beim Flugplatz in Mauterndorf. Und zieh dich warm an!“ Naja, ehrlich gesagt war mir beim Gedanken so früh am Morgen durch die Lüfte zu schweben schon etwas komisch aber ich wollte ja mal etwas Neues ausprobieren.
Als Herby dann am Morgen die Tore des Hangars in Mauterndorf öffnete, traute ich meinen Augen kaum. Ich sah nur eine große Tragfläche an diese zwei gepolsterte Sitze geschraubt waren.
„Und da soll ich mit dir jetzt 1000 Meter über dem Boden schweben“, meinte ich zu Herby. „Nein, Nein, 4000…“, kam von Herby zurück.
Nach einer Sicherheitseinweisung und dem Funkgerätecheck ging es los.
Der Propeller, der nur Armlänge entfernt war, begann sich zu drehen und schon fuhren wir die ersten Meter am grünen Flugfeld in Mauterndorf.
Sonnenaufgangsflug Start
Ein paar letzte Checks an der Elektronik des Ultralight Flugzeuges und dann gab Herby Vollgas. Mit 60km/h brausten wir über den Rasen und nach ein paar hundert Metern stiegen wir in den morgendlichen Nebel des Taurachtales auf. Der Wind im Gesicht, das ruckeln des Flugzeuges waren für mich als „Fluganfänger“ einfach Adrenalin pur. Aber ich gewöhnte mich sehr schnell an dieses Gefühl und dann war er da der Moment, den ich nie in meinem Leben vergessen werde.
Sonnenaufgang Flug 14163 Wir durchstießen die Nebeldecke und wir wurden von der Morgensonne geblendet. Wenn ich mich zurückerinnere bekomme ich jetzt noch Gänsehaut. Unter uns das Nebelmeer. Die Berge der Hohen und niederen Tauern ragen wie kleine Insel daraus und vor uns ein dunkel oranger Sonnenaufgang wie ich ihn noch nie erleben durfte.
Sonnenaufgang Flug 14189 Herby steuerte unser Fluggerät direkt Richtung Osten in die Morgensonne. Diese Eindrücke welche auf einen Wirken sind schwer in Worte zu fassen. Du bist einfach Frei, wie ein Vogel im Wind. Nur gehalten von den Gurten an deinem Sitz.
Ich frage meinen Piloten, ob er mir den gefallen tun würde und über meinen Lieblingsberg, den Hochgolling, zu Fliegen. Schon drehte Herby ab und wir steuerten direkt auf den Höchsten Berg der Niederen Tauern zu. Es war schon ein gewaltiger Augenblick diesen Felsriesen von oben zu sehen wie er all seine Nachbarn überragt. Der Hochgolling (2862m) hat eine 1400 Meter hohe Nordwand welche senkrecht in die angrenzende Steiermark abbricht. Herby flog mit mir die Westflanke hoch und ca. 10 Meter über das Gipfelkreuz. Und dann erlebte ich etwas gewaltiges.
Sonnenaufgang Flug 14332

Direkt unter uns brach der Felsen 1400 Meter in die Tiefe. Solch einen Tiefblick hatte ich noch nie in meinem Leben gesehen. Ich klammerte mich in meinem Sitz. Herby dagegen konnte es nicht lassen und machte natürlich ganz speziell für mich noch ein paar Spiralen in die Tiefe. Es war einfach faszinierend welches können er an den Tag legte. Durch die Aufwinde in dieser Nordwand wurden wir hin und her gerissen. Laut Herby war das ja noch gar nichts. Für mich hingegen war es doch sehr beeindruckend und gewaltig die Kräfte der Natur hautnah zu spüren. Jetzt brauchte ich etwas Entspannung. Wir zogen eine Runde über das Lessachtal und die Kernzone des Biosphärenparks. Über die drei Landschitzseen flogen wir in einer Höhe von nur fünf Metern über der Wasseroberfläche weiter Tal auswärts des Lessachtals Richtung Peber. Das Hochmoorgebiet am Fuße des Prebers (2741m) beherbergt einen der schönsten Bergseen im ganzen Salzburger Land. Pechschwarz und umsäumt von Wollgras und Moorpflanzen liegt der Prebersee auf 1500 Metern über dem Meer. Wir überflogen den Prebersee und konnten unseren Augen kaum trauen. „Der Goldene Herbst“ tat seinem Namen alle Ehre. Der riesige Lärchenwald des Prebers zeigte sich in seinen schönsten Farben. Über rot, orange, gelb bis zu einem kräftigen Goldton waren die Farben perfekt aufeinander abgestimmt. Man bekam das Gefühl sich einem Gemälde fortzubewegen.
Wir drehten ab und nahmen wieder Kurs Richtung Mauterndorf auf. Zurück flogen wir durch das Murtal. Hinweg über Tamsweg, dem Hauptort des Lungaues. Wir konnten die Leonhards Kirche bewundern. Diese Wallfahrtskirche ist bekannt für ihre besonderen Glasmalereien. Herby steuerte uns über den Mitterberg, der den Lungau in zwei Hälften Teilt. Am Mitterberg oben ist eine freie Wiese. „Dort könnten wir Notlanden falls uns der Treibstoff ausgeht“, meinte Herby und grinste breit über sein von der Sonne gegerbtes Gesicht. Gott sei Dank konnte ich in der Ferne schon den Flugplatz erahnen. Durch die letzten Wolkenreste zogen wir in einem flachen Winkel hinab auf die Landebahn. Nach dem perfekten Aufsetzen unserer Maschine konnte ich mir einen Jubelschrei nicht mehr verkneifen. Wir parkten direkt vorm Hangar und man ich fühlte mich wir Tom Cruise in TopGun als ich da so mit meinem Helm in der Hand auf dem Rollfeld stand. Diese Eindrücke der 45 Flugminuten werde ich mein Leben nicht vergessen. Diese Schönheit welche unter uns lag war einfach unbeschreiblich.

… alle Ängste alle Sorgen, sagt man liegen darunter verborgen und alles was groß und wichtig erscheint ist plötzlich nichtig und klein!

Johannes Gappmayer, Oktober 2014